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Führen. Mit Abstand am besten. zurück
Meinungsblog mit Vorstandsvorsitzendem Betriebsökonom Wilfried Hopfner

   

 
Was haben ein Abt, Vorsteher eines Klosters, und ein Firmenchef gemeinsam? Auf den ersten Blick wenig. Während der eine im weltlichen Geschäft tätig ist, versteht sich der andere auf die geistliche Komponente des Lebens. Während die weltlichen Genüsse vielen Menschen bereits zu viel werden, sind geistliche Erfahrungen, spirituelle Erkenntnisse hoch im Kurs. Klöster erleben einen wahren Andrang an Besuchern aus den unterschiedlichsten Berufen und Altersgruppen. "Kloster auf Zeit" heißt ein beliebtes Angebot für Aussteiger auf Zeit. Dabei unterziehen sich die Gäste manchmal für Wochen strengen Ordensregeln. Warum Menschen, die scheinbar alles haben, sich solcherart ’weiterbilden’, hat viel mit dem Eingestehen eigener Grenzen zu tun.

Ein wesentlicher Punkt im Mönchsleben heißt Abstand nehmen von sich und der eigenen Wichtigkeit. Auffallend viele Besucher stammen aus den Führungsetagen. Vielleicht weil jede Führungskraft im Inneren spürt, dass die Verführungen der Macht groß sind. Wer täglich hofiert wird, kann sich bald als außerordentlich bedeutender Mensch fühlen und entsprechend abgehoben handeln. Hier hilft die Benediktiner Formel "Ora et labora" – Bete und arbeite! Beten steht für Rückzug und Besinnung. Wir teilen alle ein gemeinsames Schicksal, "Dust in the wind", wir alle sind nur kleine Staubkörnchen im Universum, heißt die Antwort der Mönche auf überzogene Selbstherrlichkeit. Wer alles dem Erfolg unterordnet und dabei von sich selbst nicht absehen kann, der ist befangen. Er dreht sich um sich und ist nicht frei für eine Entscheidung, die das Ganze im Auge hat. Aber genau das, der klare Blick für das Ganze, zeichnet gute Führungskräfte aus. Führen mit Abstand zu seiner eigenen Wichtigkeit, das will gelernt sein. Ein bisschen Abstand gewinnen, seine Wertewelt ordnen, sich Zeit nehmen für die wirklich wichtigen Dinge, kann Wunder wirken.  
 

     

Wilfried HopfnerWilfried Hopfner, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenlandesbank Vorarlberg, macht sich in seinem Meinungsblog Gedanken zu den Finanzmärkten.

Sie haben im VOL-Meinungsblog auch die Möglichkeit ältere Beiträge nachzulesen und persönliche Standpunkte auszutauschen.

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